Privatsphäre auf dicht belegten Stellplätzen: Sichtschutz ohne Abschottung
09.10.2026
Auf engem Raum entsteht Privatsphäre oft zuerst durch Stellplatzwahl und Ausrichtung, nicht durch eine hohe Wand. Was Regeln, Rücksicht und flexible Lösungen leisten – und wo Sichtschutz enden sollte.
Privatheit beginnt mit der Ausrichtung
Wenn Stellplätze dicht liegen, muss der eigene Platz nicht gleich zur Festung werden. Prüfen Sie bei der Ankunft, wo Türen, Fenster und Sitzbereich Ihres Campers hinzeigen. Lässt es die Parzelle zu, stellen Sie das Fahrzeug so, dass die Tür nicht unmittelbar auf die Nachbar-Tür oder deren Aufenthaltsbereich weist. Der ADAC empfiehlt, Fahrzeuge – wenn möglich – gleich auszurichten, damit zumindest etwas Privatsphäre bleibt. Das ist keine starre Vorschrift und auf kleinen oder schrägen Parzellen nicht immer machbar. Fragen Sie im Zweifel an der Rezeption, bevor Sie rangieren. [ADAC: Tipps für den ersten Wohnmobilurlaub](https://www.adac.de/reise-freizeit/ratgeber/reisetipps/erster-wohnmobil-urlaub/)
Die Regeln des Platzes vor dem Aufbau prüfen
Vor dem Aufstellen eines Sichtschutzes lohnt ein Blick in die Platzordnung: Betreiber können Vorgaben zum Aufstellen von Fahrzeugen und Zelten festlegen. Auf dem Campingplatz Dümmersee sollen Zäune höchstens 60 Zentimeter hoch sein; feste Bauten und Anbauten sind dort untersagt. Das ist die Regel dieses konkreten Platzes, keine allgemeine deutsche Campingregel. Auch bauliche Mindestabstände sind regional geregelt: Die brandenburgische Verordnung nennt für Campingzelte, Campingfahrzeuge und Wochenendhäuser mindestens zwei Meter Abstand. Diese Vorschrift gilt in Brandenburg, nicht als pauschales Maß für andere Länder oder jeden Stellplatz. [Platzordnung Campingplatz Dümmersee](https://www.campingplatz-duemmersee.de/campsite-rules/) · [Brandenburgische Camping- und Wochenendhausplatz-Verordnung](https://bravors.brandenburg.de/de/verordnungen-212086)
Sichtschutz in kleinen, gezielten Schritten
Wenn Blicke direkt in den Wohnbereich fallen, schirmen Sie zunächst nur diese Blickachse ab. Ein Vorhang im Fahrzeug, eine seitlich aufgespannte Markise oder ein beweglicher, niedriger Sichtschutz kann genügen; vor dem Aufbau prüfen Sie, ob der Platz solche Elemente erlaubt und ob sie innerhalb Ihrer Stellfläche bleiben. Positionieren Sie Stühle so, dass der Sitzbereich eher zur eigenen Unterkunft als zur Nachbarparzelle zeigt. Ein Beispiel: Bei zwei nebeneinanderstehenden Wohnmobilen kann die Markise seitlich den Tischbereich schützen, während die offene Seite zum Weg frei bleibt. So bleiben Durchgang und Gesprächsmöglichkeit erhalten. Die konkrete Umsetzung ist eine praktische Empfehlung, keine Aussage darüber, was jeder Platz erlaubt.
Nachbarschaft braucht sichtbare Grenzen – und Zugänge
Eine gute Grenze ist selektiv: Sie nimmt den direkten Einblick, blockiert aber weder Wege noch den Blick auf mögliche Gefahren. Betreten Sie keine fremde Parzelle, auch nicht als Abkürzung, und stellen Sie Möbel oder Ausrüstung nicht über die eigene Fläche hinaus. Ein kurzes „Ist es in Ordnung, wenn ich den Sichtschutz hier aufstelle?“ kann Missverständnisse vermeiden – besonders, wenn sich die Parzellenkante vor Ort nicht deutlich erkennen lässt. Der ADAC nennt den Verzicht auf fremde Parzellen als Camping-Verhaltensregel. [ADAC: Tipps für den ersten Wohnmobilurlaub](https://www.adac.de/reise-freizeit/ratgeber/reisetipps/erster-wohnmobil-urlaub/)